Flugblatt: Nein sagen bringt nichts. Greifen wir an!

Folgendes Flugblatt wurde am vergangenen Samstag bei den Protesten gegen die Stadtaufwertung verteilt. Das PDF kann hier heruntergeladen werden.

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Nein sagen bringt nichts.
Greifen wir an!

 

Auch wir sind gegen die Prozesse, die aus dieser Stadt einen immer unbewohnbareren Ort machen. Gegen die polizeiliche Belagerung der Quartiere, die Überwachungseinrichtungen und die gefängnisähnliche Architektur. Gegen die „Aufwertungsprojekte“, die im Dienste der Wirtschaft und der Reichen, und auf dem Rücken der Armen durchgesetzt werden. Von der Weststrasse über die Europaallee bis zum Bau des neuen PJZ. Nur denken wir, dass „Nein“ sagen alleine nichts bringt, wenn es nicht auch mit einer aktiven und direkten Intervention verbunden ist. Aber was verstehen wir darunter?

Machen wir uns keine Illusionen. Mit den Protesten, die „Dissens bekunden“ und „Druck ausüben“ wollen, wurde noch nie eine wirkliche Veränderung erreicht. Das, was erreicht wird, sind höchstens einige Zugeständnisse, die sich diejenigen, die sich als Bosse unserer Leben und Umwelt aufspielen, erbarmen, uns zu geben. Um uns wieder ruhig zu stellen. Diese Zugeständnisse werden nur gegeben, insofern sie mit ihren Interessen vereinbar sind, das heisst, im Grunde nichts fundamentales verändern. Ansonsten lautet ihre Antwort schlicht und einfach: Repression.
Wenn wir gegen die Prozesse intervenieren wollen, die diese Stadt, in der wir leben, immer mehr nach dem einzigen Abbild des Kapitals und seiner Interessen gestalten (gewinnbringend, reibungslos, sauber, kontrolliert, funktional, tod…), dann sollten wir, wenn wir wirklich etwas erreichen wollen, diese Intervention nicht an irgendwelche Politiker delegieren, indem wir uns selbst auf die Rolle beschränken, „Druck auszuüben“. Dann müssen wir diese Intervention in unsere eigenen Hände nehmen. Genauso, wie wir unser ganzes Leben und die Welt, die man uns entreissen will, wieder in unsere eigenen Hände nehmen wollen. Und wie verhindert sich der Rausschmiss einer ganzen Strassenallee? Der Abriss unseres Wohnortes? Der Bau von neuen Gebäudekomplexen wie das PJZ oder die Europaallee, die, gegen uns gerichtet, eine grössere Kontrolle oder eine gewinnbringendere Bevölkerungsschicht in die Quartiere einführen wollen? Wenn wir auf nichts als unsere eigenen Hände vertrauen wollen?
Wir denken: durch die Verweigerung, die Sabotage und den direkten Angriff gegen die Interessen, die dafür verantwortlich sind! Indem wir den Schleier der Verantwortungslosigkeit herunterreissen, und bei denjenigen intervenieren, die diese Projekte der Vertreibung, der Ausbeutung und der Einsperrung realisieren und Profit daraus schlagen. Von den Bau- und Abrissfirmen, über die Architekten, bis zu den Politikern und Verwaltern. Sie sind es, die diese Stadtentwicklungsprozesse realisieren, bei ihnen ist es, wo sie gestört und verhindert werden können.

Auch hier dürfen wir uns keine Illusionen machen. Auch diese Mittel können die Projekte des Machtkolosses oft nicht effektiv verhindern (auch wenn wir denken, dass, im Gegensatz zu den Mitteln der Politik, viel eher die tatsächliche Möglichkeit dazu besteht), dafür aber findet eine wirkliche Veränderung statt. Diese Veränderung ist nicht ein realisiertes oder verhindertes Projekt, sondern sind die Beziehungen, die wir in einem solchen Kampf entwickeln. Die Beziehungen unter uns, durch Selbstorganisation, Solidarität und Komplizenschaft. Die Beziehungen zu uns selbst, durch die Wahrnehmung unserer Kraft als Individuen. Die Beziehungen zur Welt, durch die Ununterworfenheit und die Umwälzung der passiven Rollen, die uns aufgezwungen werden. Und diese Art von Beziehungen stehen im Gegensatz zum ganzen Funktionieren dieser Welt. Und nur in ihnen lässt sich eine Stärke entwickeln, der es schliesslich gelingen kann, die Welt, die uns aufgezwungen wird, wirklich umzustürzen. Das, was sich also wirklich verändert, wenn wir die Intervention gegen diese Projekte der Stadtentwicklung, sowie gegen alles, was uns unterdrückt, selber in die Hand nehmen, indem wir uns auf den Angriff stützen, ist, nicht mehr das Gefühl zu haben, als blosse umherschiebbare Spielsteine in einer aufgezwungenen Welt zu leben – und unserer Freiheit in der Revolte zu erproben.

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